Die richtige Sportart finden in 7 Schritten

loomja fragte auf Instagram:

Ich bin 21 und sollte physisch & psychisch auf den Höhepunkt meines Lebens zusteuern. Seit Jahren habe ich keinen Sport mehr gemacht und merke, dass ich mit der Situation immer unzufriedener werde. Wie finde ich als absoluter Minus-Beginner eine Sportart, die mir Spaß macht, die ich nicht alleine machen muss ( sonst wird das wieder nichts auf lange Sicht) und wie überwinde ich mein Schamgefühl, zu einer Sportgruppe zu stoßen, die sich kennt und vor der ich mich zum VollHorst machen muss. Danke für die tollen Videos!

Das kenne ich so gut! Ich hab schon so viele Sportarten ausprobiert, dass ich bin mittlerweile sowas wie ein Exprete darin bin, mich zum Vollhorst zu machen.
Klar, jeder hat bei Null angefangen, blabla. Aber es fühlt sich auf jeden Fall komisch an, irgendwo dazuzustoßen, wenn man's eindeutig noch nicht drauf hat, andere aber schon. Deswegen gibt's jetzt meine 7-Schritte-Sportart-finden-dann-Probestunden-überleben-und-dran-bleiben-Strategie.

  1. Was du jetzt schon tun kannst (sogar vom Sofa aus)

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    Eine Sportart ist dann eine coole Sportart, wenn man schon am Vortag richtig heiß drauf ist, wieder hingehen zu können. Lass uns mal rausfinden, welche das für dich sein könnte.

    Leg dich hin, oder lehn dich zurück, falls du in der U-Bahn, oder in der Arbeit bist. Geh mal in dich und überleg dir, was du gerne probieren würdest. Denk nicht darüber nach, wo du welche Leute treffen könntest und überleg auch nicht, worin du vielleicht gut sein könntest. Hast du Lust auf schwimmen, kämpfen, tanzen, oder etwas mit einem Ball, dann googel einfach mal, welche Möglichkeiten es in deiner Umgebung gibt.

  2. Komm ausm Arsch

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    Geh zu Probestunden. Du kannst nicht sagen ob dir eine Sportart oder die Atmosphäre gefällt, bis du es selbst probiert hast.
    In der Probestundenphase brauchst du am meisten Durchhaltevermögen, denn du hast noch keine Leute am Start. Du bist der orientierungslose Anfänger, der das noch nie gemacht hat. Lass dich nicht entmutigen, wenn du das ein oder andere doofe Erlebnis hast.

    Nachdem ich Thaiboxen schon während meiner ersten Thailandreise angefangen hatte, wollte ich es in Kuala Lumpur weiterbetreiben. Leider war da der Unterricht wirklich mies und wenn ich von dieser einen Stunde auf die gesamte Sportart geschlossen hätte, würde ich es nie wieder tun. Es gibt in jeder Sportart gute und schlechte Schulen und Studios. Schau auch mal bei Vereinen oder Volkshochschulen vorbei.

  3. Nerde dich ein wenig ein

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    Wenn du durch die Probestunden schon eine Idee hast, in welche Sportrichtung du dich bewegen möchtest, kannst du ja mal anfangen, etwas darüber zu lesen. Tanz ist nicht Tanz, Yoga ist nicht Yoga, und Kampfküste und Kampfsportarten unterscheiden sich auch sehr stark voneinander. Und selbst wenn du schon präzise gewählt hast, was du tun möchtest - zum Beispiel "Hatha Yoga" - sind die Stunden und die Atmosphäre in den Stundios von Lehrer zu Lehrer unterschiedlich. Lies über die Sportart, dann lies die Unterrichts-Philosophien und Konzepte der Studios und Lehrer. So findest du raus, was dir liegt und womit du dich wohl fühlst. Außerdem triffst du auf diese Art am ehesten Gleichgesinnte - also Leute, die auf das gleiche stehen wie du.

  4. Lerne 'nein' zu sagen, damit du zu den richtigen Sachen 'ja' sagen kannst

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    Ich zum Beispiel mag keine Hierarchien und Prüfungen, daher würde ich keine Kampfsportschule besuchen, die mit unterschiedlichen Klassen und Gürtelprüfungen arbeitet. Außerdem mag ich Individualität. Das geht so weit, dass ich mich unwohl fühle, wenn eine Uniform getragen wird - auch wenn's nur gleichfarbige Trikots sind. Was ist es bei dir? Du musst nicht alles ausprobieren. Schließ ruhig ein paar Sachen aus.

  5. So bleibst du dran

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    "Bleib dran" heißt nicht, dass du dich unbedingt regelmäßig hinquälen sollst. Es heißt viel mehr, dass du nicht damit aufhören sollst, Neues auszuprobieren, bis du etwas gefunden hast, das dir aufrichtig Spaß macht. Nicht weil es verspricht, deinen Hintern anzuheben oder die Oberschenkel zu verschmälern. Sollte dir etwas keinen Spaß mehr machen, dann zwing dich auf keinen Fall, wieder dorthin zurückzugehen. Gib dich nicht mit etwas zufrieden, das dir nicht wirklich taugt.

  6. Die richtigen Leute

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    Welche Leute du dort triffst, ist entscheidend. Es fällt leichter, bei einer Sportart dranzubleiben, wenn man sich durch sie mit anderen Leuten verbindet. Es muss übrigens kein Mannschaftssport sein. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass es besonders gut klappt, wenn man mit den Leuten über den Sport hinaus Gemeinsamkeiten teilt. Wenn du also beim Sport Leute kennenlernst, mit denen du auch Party machst, ins Kino gehst oder gemeinsam kochst, dann erhöht das die Wahrscheinlichkeit um gefühlte 612 %, dass du regelmäßig zum Sport gehen wirst - ohne dich hinzuquälen, versteht sich!

    Andersrum funktioniert das übrigens auch: Probier mal die Sportarten aus, die deine Freunde so machen. Vielleicht ist ja was für dich dabei.

  7. Mach's dir interessant

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    Wenn du eine Sportart schon länger machst, dann ist das so ähnlich wie mit einer Langzeitbeziehung: Du musst von Zeit zu Zeit ein wenig Zauber da reinbringen, sonst wird's langweilig und du verlierst das Interesse. Fahrt zusammen in den Urlaub, dein Sport und du. Statt Cluburlaub mit Vollfressen kannst du ja ein Yoga-Retreat, oder sonst ein Sportcamp suchen. Wechselt von Zeit zu Zeit das Ambiente. Kannst du deinen Sport vielleicht draußen im Park machen? Oder mal ein anderes Studio probieren? Versuche, selbst nach Jahren deinen Sport noch ein wenig besser kennenzulernen und neues daran zu entdecken. Genau das ist nämlich der Schlüssel: Bleib neugierig.

    Das Longboarden war lange eine meiner großen Lieben. Irgendwann kam ich an den Punkt, an dem ich einfach nur noch in meiner Komfortzone bleiben wollte. Cruisen, auch längere Strecken, fand ich prima, mehr musste es dann aber auch nicht sein. Ich hatte alles drauf, was ich mir vorgenommen hatte zu können. Longboarden hat mir immer noch Spaß gemacht, aber aufregend war es nicht. Als ich dann auf Reisen ging, verloren wir uns aus den Augen. Manchmal denke ich noch daran, vermisse es aber nicht schmerzlich. Wir werden auf jeden Fall Freunde bleiben. Ich hab natürlich kein Board dabei, aber wenn ich mal wieder die Gelegenheit hab, werde ich mich gern auf einen Cruise einlassen und in Erinnerungen an die alten Zeiten schwelgen.

    Gerade bin ich sehr glücklich mit Muay Thai. Da ich aber reise und kein ganzes Gym inklusive Trainern und Trainingspartner mit mir mitschleppen kann, kann es durchaus sein, dass ich mir bald wieder etwas Neues suchen werde. Das Leben geht weiter und man entwickelt sich. Und wenn du dich mit deiner Sportart auseinander lebst, dann denk dir nicht, du wärst Beziehungsunf... ich meine natürlich träge oder unsportlich. Du bist halt einfach noch auf der Suche. Probier dich einfach aus, bevor du dich auf eine halbherige Sache einlässt und dann ein schlechtes Gewissen hast, wenn du es nicht durchziehen kannst.

Wenn du mehr über dieses Thema lesen möchtest, schau in mein Buch rein:

Und wenn du bis hierher gelesen hast, erzähl mal in den Kommis von deinen Erfahrungen:

  • Was machst du gerade?
  • Was würdest du gern mal versuchen?
  • Was hast du schon ausprobiert?
  • Wie war es?
  • Was hast du erlebt?

Kommentare

Ich kann dir auf jeden Fall beim siebten Punkt zustimmen. Ich turne Rhönrad und fahre Einrad, beides nicht auf Leistung sondern nur für mich aber schon lange genug um trotzdem eine ganze Menge gelernt zu haben.
Beim Rhönrad bin ich jeden Montag in der Sporthalle, ich kann weder Ort noch irgendwas am Ambiente ändern. Beim Einrad hab ich zweimal die Woche Training. Ich fahre in zwei Städten und habe so auch unterschiedliche Hallen. Außerdem kann ich mit meinem allerliebster Lieblingsrad draußen fahren und das bis 30km/h :D Und wir sind hin und wieder sind wir bei Workshops ider Wettkämpfen, das macht es alles viel interessanter.

Liebe Grüße
Wiebke

haha das war ja jetzt krass :D ich habe mein Kommentar grade abgeschickt und dann steht da so Wiebke am 2.11. und ich denke so "hääää? Hast du etwa vergessen, dass du das schon mal gelesen hast? Wieso ist das ein Kommentar von mir ?" :D
Ja lustig, du bist die erste Wiebke, die ich im Internet treffe :D

Ich war 2 Jahre lang im Fitnessstudio angemeldet, aber am Ende war es nur noch Zwang noch dahin zu fahren, weil ich wesentlich lieber zuhause trainiert habe. Jetzt versuche ich mich an meiner eigenen Version des Blogilates-Kalenders und möchte nebenbei noch Schwimmen gehen, denn das hat mir auch schon immer Spaß bereitet.
Um mich zu motivieren, verfolge ich einige Instagram-seiten und trainiere manchmal mit Freunden zusammen. Ich Versuch mir auch Ziele zu setzen. Zum Beispiel eine Planke für 60 Sekunden zu halten.
Mal sehen, ob ich es schaffe dran zu bleiben oder ob ich doch zu schnell wieder gelangweilt bin und es dann aufschiebe was neues für mich zu suchen.
LG

Ich mache seit über 4 1/2 Jahren Taekwondo und habe vor kurzem die Schwarzgurtprüfung gemacht. Unseren Trainern ist das ganze eine Herzensangelegenheit und ich fühle mich wohl in unserem kleinen Verein und habe viele Leute kennengelernt, mit denen ich gerne trainiere. Mich stört der einheitliche Kampfanzug nicht, dann muss ich mir darüber keine Gedanken machen.
Ich würde gerne mal an einem Lauf teilnehmen, aber meine Ausdauer ist noch nicht so gut und ich muss öfters mal gehen.
Liebe Grüße :)

Ich lese deine Blogeinträge sehr gerne und noch lieber schaue ich deine Videos, weil man sieht, dass du dir wirklich was bei der Themenwahl denkst und sehr viel Mühe und Arbeit hineinsteckst! Würde mich in Zukunft wieder über ein neues freuen :)

Zurzeit mache ich einen Kraulkurs, da ich seit 4-5 Jahren mehr oder weniger regelmässig schwimmen gehe, aber beim Kraulen spätestens nach zwei Längen ertrinke bzw. ertrunken wäre! Das Brustschwimmen wurde mir irgendwann einfach zu langweilig... :)

Ich würde eigentlich gerne mehr Krafttraining machen, doch die letzten Fitnessabos, die ich mir mit ganz viel Optimismus und Zuversicht gekauft habe, waren nur spärlich genutzt und es war meist mehr ein Zwang da hin zu gehen, als Spass. Das Problem ist, ich wäre gerne definierter, aber es macht mir kein Spass...

Was ich während meiner Unizeit super fand, waren die ganzen Unisport-Angebote! Da kann man in jede Stunde reingehen, am Besten mit Kommilitoninnen und alles ausprobieren, was im Angebot steht: Pilates, Yoga, Body Pump, Schwimmen, Tanz, Spinning, TRX, Step, Mannschaftspiele,... Mir hilft es, wenn ich quasi ein dreier Date mit dem Sport habe (einfach nur in den Kalender eintragen, reicht für meinen Schweinehund nicht aus) und mit den richtigen Leuten macht es sowieso viel mehr Spass. Eine Freundin von mir macht beispielsweise Unterwasserhockey, was extrem anstrengend und unterhaltsam ist. Sie erzählt immer wieder von neuen Sportarten und verrückten Dingen, die sie ausprobiert hat (z.B. einen "Chor für Unmusikalische" besuchen, weil Singen Spass macht).

Im Frühling war ich so fasziniert von einem Kollegen, der seit Februar mit dem Fahrrad in Südamerika (Südpatagonien-Argentinien-Chile-Bolivien-Brasilien) unterwegs, dass ich entschloss von meinem Studienort mit dem Fahrrad in meine Heimat zu fahren (mit dem Zug gut zwei Stunden, insgesamt 160km mit einem kleinen Pass dazwischen). Habs dann auch durchgezogen, jedoch in zwei Etappen. War schon ein recht gutes Gefühl und würde dies gerne öfters machen...

Was für ein toller Beitrag ☺genau an dem Punkt bin ich nämlich gerade. Ich habe keine Lust mehr ins Studio zu gehen. Es ist so stupide da die Gewichte zu heben das macht mir einfach keinen richtigen Spass. Der Körper verändert sich allerdings schon echt schnell und man freut sich.Ich habe einen Sportkollegen mit dem ich immer gehe, aber das reicht anscheinend auch nicht.

Kennt ihr das auch ? Ist es nun die falsche Sportart oder der innere Schweini.

Hätte total Lust auf Yoga, aber das ist ziemlich teuer hier und die Kurse der VHS schon sehr früh ausgebucht.

Erstmal: ich liebe deine Art,Yamina, besonders Videos in denen du über Klamotten sprichst finde ich toll!
Ich bin sehr lange geritten aber jetzt seit knapp nem Jahr nicht mehr weil die Umstände nicht gepasst haben aber irgendwann wird da wieder was draus da bin ich sicher!
Außerdem trainiere ich seit nem Jahr Leichtathletik und liebe es*_* das liegt zum einen an den tollen Leuten die da sind aber auch daran dass lLeichtathletik so abwechslungsreich ist entweder man überwindet sich selbst beim laufen oder man mag es lieber eine Technik zu erlernen da ist dann zB Diskuswurf gut ...außerdem liebe ich meine "uniform": Dress für'n Wettkampf und so ne "Vereinsjacke" fürs Training die ich aber auch oft beim rumgammeln trage und mich dann trotzdem sportlich fühle;)

Deine Videos und Blogeinträge sind immer wieder so inspirierend. Danke erstmal dafür :) ich habe sehr früh mit dem jonglieren angefangen und hab es immer als Hobby gesehn, habe dadurch auch freunde kennengelernt. Dadurch dass ich mal mehr mal weniger trainiert habe, sind meine freunde die teilweise 3 stunden täglich jongliert haben leistungsmäsig wie ein schnellzug an mir vorbeigerast. Dadurch hab ich irgendwie die motivation verloren, da ich immer die war die nachhinkte. Meinen freunden war das glaub völlig schnuppe aber mir irgendwie nicht. Aber ich denk jeden tag ich sollte mich mal wieder dranwagen :)

Heyho Yamina :-)
Ich bin grade auf meinem Weg in meine Reise durch diese Welt und mich einzutauchen und open for spirit and sparkling ☼
Du bist eine der ersten Youtuberinnen, die ich gesehen habe. Und das war sicher mit verantwortlich für den Aufbruch, diesen Weg zu gehen. Zu mir selbst und so, weißt du ja.
Jetzt habe ich seit längerem mal wieder bei dir vorbeigeschaut, hach da fällt mir grade die Parallele zu der Sportartbeziehung auf :D Die Beziehung zu einem Youtube-Kanal ist für mich voll ähnlich dazu :D
Jaaa, supi, dass ich hier bin. Ich wollte den Artikel erst gar nicht lesen, weil die Überschrift mich nihct so gecatched hat. Aber dann hab ich angefangen und dann direkt wieder deine Art zu schreiben bemerkt und mich voll gefreut :) Hat mich auch direkt daran erinnert, wie mich das erste Video, was ich von dir gesehen habe, inspiriert hat. Und dein Buch.
Find ich voll schön, dass unsere Wellenlängen manchmal zusammenfließen, cool, dass du in "die Öffentlichkeit" gegangen bist und man dich finden kann, hihi.
Alles Gute
Enjoy, have fun, be you! WiEbkE

Hey Yamina,
mir geht es ein wenig wie Loomja und dein Artikel war deswegen echt super. Ich habe in meinem Leben auch schon alles mögliche ausprobiert, bin aber leider bei nichts hängen geblieben und hab die Suche vor 2 Jahren aufgegeben. Jetzt bin ich motierviert wieder loszulegen! :)
Eigentlich habe ich aber eine ganz andere Frage.. meine Schwester und ich wollten im Sommer evtl. eine Longboardtour durch Schweden machen (Longboarden hab ich auch mal ausprobiert ;)
Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, glaube aber, dass du in einem deiner Videos mal von so einer Tour erzählt hast?
Kannst du Schweden empfehlen? Wie habt ihr eure Route geplant? Gibt es eine Karte (zb. Fahradkarten) auf der man erkennen kann ob die Wege für Longboards geeingnet sind? Oder einfach GoogleMaps? Weil wir wollen natürlich nicht nur an großen Landstraßen fahren.
Vielen lieben Dank im Voraus und ein wunderbares Wochenende dir!
Mona